Wichtige Lebensphasen 6 – Die Pubertät

Der Wachstumsschub, der die Pubertät kennzeichnet, beginnt bei den meisten Mädchen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren, bei den Jungen in der Regel erst zwischen 10 und 16 Jahren. Nervenimpulse aus dem Zwischenhirn veranlassen die Hirnanhangdrüse, Signale an die Geschlechtsdrüsen zu leiten. Die Eierstöcke des Mädchens produzieren daraufhin vermehrt das weibliche Hormon Östrogen, die Hoden des Jungen vermehrt die männlichen Hormone Androgen und Testosteron. Danach können noch ein bis zwei Jahre vergehen, bis bei Mädchen die erste Regelblutung (Menarche) und bei Jungen die Produktion erster Samenzellen einsetzt.

Eltern wie Kinder sind durch die körperlichen Veränderungen – zum Beispiel Entwicklung der Brust und der Schambehaarung beim Mädchen, Stimmbruch, Vergrößerung von Penis und Hoden, Einsetzen der Bart- und Schambehaarung beim Jungen – oft gleichermaßen beunruhigt, wenn auch aus unterschiedlichen Motiven: Eltern befürchten oft zu Recht, dass die geistig-seelische Reife hinter den körperlichen Merkmalen hinterherhinkt und dass die Pubertierenden in Konflikte mit ihrer Rolle kommen. Kinder an der Schwelle zur Jugend erleben den Zwiespalt, nicht mehr „richtig Kind“, aber eben auch noch nicht erwachsen zu sein, meist als quälende Verunsicherung. Sie reagieren mit verstärkter Reizbarkeit und bedürfen der Geduld und des Vertrauens eines einfühlsamen Erwachsenen. Wurden sie nicht entsprechend aufgeklärt, lösen die Veränderungen des Körpers – die erste Regelblutung, die erste Erektion oder der erste Samenerguss – unter Umständen Angst und Besorgnis aus. Die körperlichen Entwicklungen drängen dem Teenager besonders viele Fragen auf. Diese haben meist noch wenig mit Liebe oder Sex zu tun, sondern beziehen sich vor allem auf biologische Vorgänge. Wenn Eltern versuchen, zu jeder Zeit unverkrampft mit dem Thema Sexualität umzugehen, wird es ihnen leichter fallen, die Fragen ihrer Kinder offen zu beantworten. Dann können sie ihnen auch vermitteln, dass erotisches Begehren, Lust und Leidenschaft ebenso zu einer Partnerschaft gehören wie die Fähigkeit zum gegenseitigen Austausch im Gespräch.

Zum Bedauern vieler Eltern beginnen pubertierende Kinder sich von den Eltern zurückzuziehen, sie lehnen Körperkontakt ab und reagieren oft bereits auf den üblichen Gutenachtkuss oder die liebevoll gemeinte Umarmung empfindlich und ablehnend. Eltern sollten dies als Abgrenzungsversuch respektieren, der für die Entwicklung des Kindes wichtig ist. Gefragt sind jetzt nicht mehr die gemeinsamen Unternehmungen mit der Familie, sondern Vorrang haben die gleichgeschlechtliche „beste Freundin“ oder bei den Jungen der Schulkamerad. Es wird „getuschelt“, und Vertraulichkeiten werden ausgetauscht. Eltern haben in dieser Phase manchmal die Befürchtung, das Kind könne ihrer Aufsicht entgleiten, und versuchen, mit verstärktem Druck das familiäre Miteinander aufrecht zu erhalten. Dabei ist es für das Kind an der Schwelle zur Pubertät ein wichtiger Schritt, sich verstärkt von den Eltern loszulösen und eigene Verantwortung zu übernehmen. Die Eltern sollten auch nicht ständig versuchen, sein Verhalten zu kontrollieren und nach eigenen Vorstellungen zu lenken. Auch wenn das Kind jetzt weniger Wert auf das gemeinsame Familienleben zu legen scheint, liebt es seine Eltern noch genauso wie vorher. Und wenn Eltern ihm vermittelt haben, dass es sich mit seinen Problemen jederzeit an sie wenden kann, wird es dies bei Bedarf auch tun.

Wer geht mit wem? Wann steigt welche Party? Wer hat schon einmal ein Mädchen oder einen Jungen geküsst? Solche Themen können bereits bei 12- bis 13jährigen Teenagern zum Dauerbrenner werden. Dabei geht die erotische Anziehung des anderen Geschlechts für die meisten Jugendlichen selten über vorsichtige Annäherungsversuche hinaus. Nicht selten ist es eher eine Prestigefrage, wer wen zur Freundin oder zum Freund gewinnt.

Fragen rund um das Thema Sexualität werden jetzt seltener mit den Eltern besprochen, sondern viel eher mit Gleichaltrigen. Eltern sollten diese Grenzen respektieren und sich nicht gewaltsam zum Vertrauten ihrer Kinder machen wollen. Wichtiger ist es, den Kindern das Gefühl zu vermitteln: „Wir sind da, wenn du Fragen hast.“

Irgendwann ist es dann soweit: Zwei Teenager haben sich heftig ineinander verliebt und wollen miteinander schlafen. Bei den meisten Jugendlichen ist dies im Alter zwischen 16 und 17 der Fall. Häufig ahnen die Eltern, wann es soweit ist. Doch die Jugendlichen kapseln sich oft ab und sind schwer zugänglich – das macht vielen Eltern Sorgen. Wie weit sollen sie sich in das Intimleben ihrer nun fast erwachsenen Kinder einmischen? Sind Tochter oder Sohn zum Beispiel ausreichend über sichere Verhütungstechniken oder AIDS-Risiken aufgeklärt? Zwar ist es wichtig, den Kindern den eigenen Verantwortungsspielraum zu lassen, aber auch mit ihnen offen den verantwortlichen Umgang mit Sexualität zu reden.

Für manche Jugendliche wird es zur Prestigefrage, mit dem Partner zu schlafen. Dem Drängen des Freundes nachgeben, nur um Anerkennung von den anderen zu ernten oder ja nicht als „Mauerblümchen“ dazustehen – Motive, vor denen Eltern ihre Kinder bewahren möchten. Besonders gefährdet, eigene Gefühle und Bedürfnisse zu verleugnen, sind Jugendliche, die von ihren Eltern wenig Bestätigung und Anerkennung erfahren. Sie sind vermehrt auf die Anerkennung und Achtung der Gleichaltrigen angewiesen. Wichtig ist gerade jetzt, dass die Eltern sich bemühen, das Selbstvertrauen ihres Kindes zu stärken und ihm das Gefühl zu vermitteln: “Wir stehen hinter dir.“ Dann wird es stark genug sein, eine eigene Position zu beziehen und dem Druck der Gruppe nötigenfalls standzuhalten. Eine Rolle spielt hier auch das Vorbild der Eltern. Wenn Eltern mit der eigenen Sexualität natürlich umgehen und ihren Kindern vermitteln, dass auch Sexualität etwas Wertvolles, Wichtiges und nichts Schmutziges ist, können Kinder meist positiv und selbstbewusst ihre eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Grenzen wahrnehmen.

Oft quälen Selbstzweifel den Jugendlichen, der sich in der typischen Pubertätskrise befindet. Die eigene Selbsteinschätzung ist dabei in besonderem Maße abhängig von den Erwartungen und Gepflogenheiten der „anderen“. Die „anderen“, das sind die Gleichaltrigen, die Peer-Group, wie Sozialwissenschaftler sie nennen. In Gangs oder Cliquen erprobt der Jugendliche seine Wirkung und versucht, die Bestätigung Gleichgesinnter zu finden.

Diese Art von Ich-Bezogenheit führt oft zu Konflikten mit den Erwachsenen. Für Jugendliche ist es auf der Suche nach der eigenen Identität wichtig, Rollen auszuprobieren. Dennoch sollten sie wissen, wie weit sie gehen können, ohne andere durch ihr Verhalten zu sehr einzuschränken, zu verletzen oder sich selbst zu gefährden. Wenn sie zum Beispiel mit Drogen, Jugendbanden oder Sekten in Berührung kommen, müssen die Eltern reagieren und sich gegebenenfalls Hilfe von außen holen.

Der Schritt ins Erwachsenendasein kann nur gelingen, wenn ein Jugendlicher die Möglichkeit erhält, eine eigene Haltung und Einstellung zu finden. Dazu gehört auch die oft recht heftig geführte Auseinandersetzung mit den Wertvorstellungen der Eltern. Für Eltern oder Erzieher ist es nicht immer einfach, zwar den eigenen Standpunkt nicht zu verleugnen, aber dennoch Verständnis für die Sicht der Jugendlichen aufzubringen. Auch erfordert es ein hohes Maß an Sensibilität, die richtige Mischung aus zunehmender Freiheit und dem immer noch notwendigen Halt zu finden, die die Heranwachsenden in dieser kritischen Phase brauchen.

1 Kommentar zu “Wichtige Lebensphasen 6 – Die Pubertät”

  1. Pubertät bei Mädchen…

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