Über das Netz gestolpert - Spielsucht bei Jugendlichen
Gerade in Zeiten, in denen sich Jugendliche von der ‚Computermusik’ ab-, sich handgemachten Klängen wieder verstärkt zuwenden und die Musikindustrie folglich über kräftige Kaufzuwächse bei Akustikinstrumenten in dieser Zielgruppe freut, gewinnt eine andere virtuelle Welt mehr und mehr an Bedeutung.
Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene finden in Onlinespiele-Communitys jenen Halt und Bestätigung, welche sie im Leben jenseits Internets entbehren.
Sei es World of Warcraft oder Second Life: Die beliebtesten Online-Spiele teilen ein markantes Merkmal, welches sie zum Renner innerhalb dieser Gruppe macht. Es geht um ‚alternative Identitäten’, d.h. um die Möglichkeit sich innerhalb dieser Grenzen und umgeben von Gleichgesinnten neu zu erfinden und tatsächlich Anerkennung für im Spiel erbrachte Leistungen zu erhalten.
Eigentlich hochgradig anonymisiert, geben diese Online-Spiele trotzdem ein Gefühl von Gemeinschaft, Zusammenhalt, ja sogar Solidarität, finden sich dort doch Spieler zusammen, welche der Realität entfliehen und eine alternative Welt aufbauen möchten. Und dafür kämpfen sie, wenn auch nur gegen imaginäre Trolle, Bösewichte und andere Fantasiewesen.
Doch so fantastisch sind jene Wesen nicht unbedingt, ebenso wie auch die Kämpfe nicht nur virtuell sind. Die Konflikte nämlich existieren auch, wenn der Rechner ausgeschaltet ist. Doch sind sie eben verlagert und in gewisser Weise abstrahiert. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit, den Stärken und Schwächen, wie auch mit dem Erwartungsdruck in Schule, Ausbildung und Universität finden ihren Niederschlag in jenen Spielen, vor allem aber auch in der Online-Gemeinschaft, die sich um die eigentlichen Spiele herum bildet und einen entscheidenden Faktor bezüglich der Anziehungs- und Bannkraft dieser Treffpunkte im Netz ausmacht. Bannkraft in erster Linie auch deswegen, weil reale Probleme verlagert und im täglichen Leben nicht gelöst werden. Jedes Mal also, wenn man den virtuellen Raum mit seinem Nick verlässt, scheinen die Probleme rund um Schule, Uni, Familie und Beziehung einen mit voller Wucht zu erwischen und fast schon zu überrollen, als habe jede Minute im Netz ihren Druck quasi potenziert. Natürlich stauen sich Dinge wie Hausaufgaben, Berichtshefte und Semesterarbeiten an, wenn sie nicht in Angriff genommen werden. Doch gerade das Erleben dieser Tatsache treibt die meisten Spielsüchtigen genau in dieselbe Online-Community und virtuelle Welt zurück, wo diese Dinge einen nicht erwarten. Trotzdem müssen ja auch bei Computerspielen Aufgaben erledigt, die Gemeinschaft respektiert, also Energie aufgewendet werden, um sich behaupten zu können. In jedem Fall beginnt sich ein Kreislauf in Gang zu setzen, welcher die Jugendlichen und jungen Erwachsenen scheinbar wie einer jener Flüche aus den Rollenspielen in ihrem Bann hält. Je länger sie sich nämlich aus der realen Welt verabschieden, je größer wird auch ihre Distanz zu den alltäglichen Aufgaben und je größer auch der Druck, da man sich aus Arbeit, Schule und Studium nicht wie aus der Online-Community ausloggen kann.
Ein Weg, jener Spielsucht zu entkommen, wäre daher vielleicht, den Betroffenen aufzuzeigen, wie viel Energie und Leistungswille ja tatsächlich in ihnen steckt und diese Kraft praktisch in reale Kanäle umzuleiten. Nur wenn sie erkennen, wie viel sie auch außerhalb jener Onlinespiele-Gemeinschaften erreichen und bewegen können, wird die in der wirklichen Welt erfahrene Bestätigung den Platz der Faszination des Abtauchens einnehmen können.
Popularity: 18% [?]








(6 Stimmen, Durchschnitt: 4.83 von 5)

16. März, 2008 um 09:22
Ich spiele täglich mehrere Stunden Battlefield 2. Ein sehr realistisches Kriegspiel, meist USA gegen China. Aber auch EU oder Mittlerer Westen kann man spielen. Dabei kann man zwischen verschiedenen Soldaten wie z.B. Sanitäter, Panzerabwehr, Pionier,…wählen. Auch Flugzeuge, Jeeps, Panzer, Hubschrauber,… kann man steuern. Damit es nicht langweilig wird gibt es verschiedene Karten wie z.B. eine Insel die von China besetzt wird und von der US-Army von einem Flugzeugträger aus angegriffen und erobert werden muß.
Was daran auch “fesselt” sind die Statistiken. Man wird befördert, man erhält Abzeichen und Medaillen. Man kann neue Waffen freischalten und Squads bilden. Squads sind Gruppen bis zu sechs Leuten inkl. einem Squadleader. Per Headset kann man dann miteinander sprechen. Dadurch findet man auch schnell Leute von aller Welt mit denen man regelmäßig spielt.
Durch die Statistik kann man schell erkennen wie lange man spielt. Manche bis zu 8 Stunden/täglich und das schon über meist 2-3 Jahre. Länger gibt es das Spiel glaube ich noch nicht!?
Das sind Online-Spiele mit Sucht-Potential und sollten nicht unterschätzt werden.
27. März, 2008 um 18:37
Mein Freund spielt auch oft mehrere Stunden dieses Battelfield. Was ich absolut nicht nachvollziehen kann und manchmal ganz schön nervt! Wer will schon Krieg spielen?
21. September, 2009 um 15:56
Wenn die Leute mal mehr hinter Drogen- und Alkoholsüchtigen her wären… Aber nein, immer sinds die Spiele. Wer sich Gedanken über Spielsüchtige macht, sollte auch mal die genauen Hintergründe ansehen. Unistress oder der Abwasch hat damit meist weniger zu tun als die Tatsache, dass die Gesellschaft heutzutage einfach sowas von oberflächlich ist, dass manche einfach kein Bock mehr darauf haben, ständig darauf zu achten, mit was für Klamotten man rumläuft oder ob man das neueste Handy hat.
MfG