Schwangerschaft – Wie sich das Ungeborene entwickelt
In den ersten Wochen, nachdem sich der Embryo in der Gebärmutter eingenistet hat, vollzieht sich eine rasante Entwicklung. Wenn eine Frau erfährt, dass sie werdende Mutter ist – in der Regel frühestens in der vierten Schwangerschaftswoche -, schlägt das winzige Herz bereits seit einigen Tagen und pumpt Blut durch den kleinen Körper.
Die frühen Entwicklungsstufen des Kindes im Mutterleib werden in bestimmte Zeiten eingeteilt:
- 1. bis 4. Woche: Blastenzeit. Die befruchtete Eizelle entwickelt sich bis zum ersten Herzschlag. Erste Blutgefäße bilden sich, ebenso Proteine und Enzyme.
- 5. bis 8. Woche: Embryonalzeit. Die Organbildung beginnt. Die Nervenverbindungen von der Haut zum Rückenmark und von da zu den Muskel- und Sinneszellen entstehen. Das Kind beginnt, mit Bewegung zu reagieren. In dieser Zeit werden Armknospen sichtbar, Kopf und Mund zeichnen sich ab. Am Ende der achten Woche misst der Embryo immerhin schon anderthalb Zentimeter.
- 9. bis 12. Woche: Frühe Fetalzeit. Weil jetzt die Organbildung auf Hochtouren läuft, ist dieser Zeitraum die kritischste Phase der Schwangerschaft. Die inneren Organe formen sich. Die Geschlechtsorgane werden etwa ab der 12. Woche so ausgeprägt sein, dass man Junge und Mädchen unterscheiden kann – jedoch noch nicht immer beim Ultraschall. Das Blut des Ungeborenen beginnt, sich zu bilden. Die Lunge ist zwar schon fertig, aber sie ist erst ab der 36. Woche funktionstüchtig. Sie ruht bis zum ersten Atemzug des Kindes. Erste reflexartige Schmerzreaktionen (aber noch keine Schmerzempfindungen) sind in dieser Phase möglich. Jetzt steigen auch Herzfrequenz und Blutdruck an, und der Fetus produziert eigene Hormone. Am Ende der 12. Woche ist das Kind etwa fünf Zentimeter groß.
- Die Zeit von der 13. bis zur 24. Woche wird als Mittlere Fetalzeit bezeichnet.
- Ungefähr ab der 14. Woche kann das Ungeborene schon komplexe Bewegungsabläufe vollführen, Schluck- und Atembewegungen machen, Grimassen schneiden, Daumen lutschen und die Stirn runzeln. Auch sein Greifreflex ist jetzt voll ausgebildet.
- Zwischen der 17. und der 20. Woche beginnt dann das zarte, noch biegsame Skelett zu verknöchern. In dieser Zeit fühlen die meisten werdenden Mütter zum ersten Mal deutlich, dass etwas Lebendiges in ihnen wächst – nicht nur, weil das Kind gegen Ende der 20. Woche immerhin schon ein halbes Pfund wiegt, sondern auch, weil die Mutter jetzt seine Bewegungen spüren kann. Das Kind ist jetzt in seiner äußeren Form vollständig ausgebildet, Kinn und Stirn sind vom Ungeborenenflaum (Lanugobehaarung) bedeckt.
- Etwa ab der 23. Schwangerschaftswoche kann das Ungeborene Schmerzen empfinden. In dieser Zeit werden auch die ersten Hirnströme messbar. Auf zu grelles Licht reagiert das Kind mit dem reflexartigen Schließen der Lider. Wenn es während der Ultraschalluntersuchung gerade einen Schluck Fruchtwasser trinkt, kann der Arzt auch schon den Schluckvorgang kontrollieren. Die Mutter spürt an einer zarten, rhythmischen Bewegung, wenn ihr Ungeborenes Schluckauf hat. Wenn der Vater sein Ohr auf den Bauch seiner Partnerin legt und sich konzentriert, kann auch er die sanften Klopfzeichen wahrnehmen. Am Ende der 24. Schwangerschaftswoche hat das Baby schon ein Gewicht von durchschnittlich 530 Gramm und misst von Kopf bis Fuß 28 Zentimeter. Die Gebärmutter hat sich bereits bis zur Nabelhöhe ausgedehnt – höchste Zeit für bequemere Kleidung.
- Als Späte Fetal- und Reifezeit wird der Zeitraum von der 25. bis zur 36. Woche der Schwangerschaft bezeichnet. Die Lanugobehaarung bedeckt nun den ganzen Körper des Kindes. Es nimmt jetzt Musik wahr und erschrickt bei einem plötzlichen, lauten Geräusch. Manchmal „rumort“ das Ungeborene nach einem solchen unvermittelten Lärm noch eine ganze Weile im Mutterleib herum. Das zeigt, dass es sich nun bereits gestresst fühlen kann.
- In der 28. Woche wiegt das Ungeborene schon mehr als ein Kilogramm (durchschnittlich 1100 bis 1200 Gramm) und hat eine Länge von etwa 34 Zentimetern. Für einen Start in die neue Welt ist es zwar noch viel zu früh, doch dank der modernen Frühgeborenen-Intensivmedizin hätte es jetzt schon gute Überlebenschancen. Nach der 28. Woche kann ein Kind Stimmen unterscheiden, und es könnte auch schon mit den Augen einen bestimmten Punkt fixieren. Würde ihm jetzt weh getan, würde es mit einer typischen Schmerzmimik darauf reagieren. Es hat nun eindeutige Schlaf- und Wachphasen.
- Die meisten Ungeborenen sind gegen Ende der 32. Schwangerschaftswoche etwa 1800 Gramm schwer und messen ungefähr 40 Zentimeter. Manche Frauen haben jetzt schon vorzeitige Wehen, die man aber nach Möglichkeit zu stoppen sucht. Nach wie vor ist der Mutterleib der ideale Aufenthaltsort für so ein kleines Kind. Sind Zwillinge unterwegs, muss man zu diesem Zeitpunkt schon bald mit ihrer Geburt rechnen. Für sie wird es nun im Mutterleib zu eng, und das Nahrungsangebot aus der Plazenta könnte jetzt unter Umständen knapp werden.
- Die letzte Reifung vollzieht sich von der 37. bis zur 40. Woche. In diesen letzten vier Schwangerschaftswochen bereitet sich das Ungeborene auf seinen Eintritt in die Welt außerhalb des Mutterleibes vor. Es wird noch Unterhautfett entwickeln, die Lunge wird zum Gasaustausch bereit. Es wächst noch einmal um einige Zentimeter und nimmt noch weiter zu. Zum Zeitpunkt der Geburt ist das Baby dann durchschnittlich 50 Zentimeter groß und 3500 Gramm schwer. Nach dieser letzten vorgeburtlichen Reifung ist ein Baby bestens gerüstet, die Geburt gut zu überstehen und sich gleich nach seiner Ankunft mit einem kräftigen Geschrei Gehör zu verschaffen.