Schwangerschaft – Erkrankungen und andere Risiken
Infektionen der Mutter können das Ungeborene vor allem in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten schwer schädigen. Hatten sie als Kind keine Röteln, so sollten Sie testen lassen, ob Sie Antikörper gegen die Erkrankung im Blut haben. Wenn nicht, sollten Sie sich mindestens drei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft impfen lassen beziehungsweise während der Schwangerschaft möglichst nicht mit erkrankten Kindern in Kontakt kommen. Ebenfalls sollten Sie testen lassen, ob sie gegen Toxoplasmose immun sind. Wenn nicht, sollten Sie sich während der Schwangerschaft von Katzen fernhalten und kein halbgares oder rohes Fleisch essen.
Da das Gewebe in der Schwangerschaft mehr durchblutet wird, das Immunsystem nicht so stark wie sonst ist und der Ausfluss aus der Scheide sich verstärkt, kann es leichter zu Infektionen mit Bakterien und Pilzen kommen. Wenn Sie Jucken und Brennen an den Schamlippen und an der Scheide, ungewöhnlich riechenden, verfärbten oder auffällig verstärkten Ausfluss bemerken oder unter häufigem Harndrang mit oder ohne Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen leiden, sollten Sie zur Abklärung der Ursache sofort Ihren Frauenarzt aufsuchen. Behandelt werden Scheiden- und Blaseninfektionen genauso wie außerhalb der Schwangerschaft. Sie dürfen nicht alle Medikamente benutzen, doch Penizillin und Mittel gegen Pilze sind unbedenklich. Zum Mildern des Juckreizes kann man lauwarme Sitzbäder mit Zusatz von gerbsäurehaltigen Heilpflanzen, zum Beispiel Eichenrinde, einsetzen.
Auch wenn Sie bisher keine Anzeichen einer Zuckerkrankheit festgestellt haben, kann sich die Anlage zu Diabetes mellitus in der Schwangerschaft erstmals zeigen, da die Versorgung „für zwei“ die Bauchspeicheldrüse stärker fordert. Daher wird bei allen Terminen der Schwangerschaftsvorsorge auf den Blutzuckerspiegel und die Ausscheidung von Zucker mit dem Urin geachtet. Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft an Diabetes erkrankt sind, sollten auf jeden Fall von Anfang an auf eine optimale Einstellung der Blutzuckerwerte achten, bei Harnwegsinfektionen, Nierenbeckenentzündung und Schwangerschaftshochdruck sofort einen Arzt aufsuchen und zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen gehen. Schwankt der Blutzuckerspiegel stark oder ist dauerhaft erhöht, führt das zum Übergewicht bei Mutter und Kind, zu vermehrter Fruchtwasserbildung und beim Baby zu starker Infektanfälligkeit. Im schlimmsten Fall kann es bei chronischer Überzuckerung zur Fehlgeburt kommen. Diabetikerinnen sollten sich frühzeitig über die notwendige Diät und Medikamente beraten lassen. Der Insulinbedarf wechselt in den verschiedenen Schwangerschaftsphasen; tägliche Selbstkontrollen des Blutzuckerspiegels sind notwendig. Tritt der Diabetes erst während der Schwangerschaft auf, so wird zunächst mit Diät und eventuell mit Insulinspritzen behandelt. Blutzuckersenkende Tabletten sollten auf keinen Fall eingenommen werden.
Bluthochdruck in der Schwangerschaft führt zu denselben Beschwerden wie in anderen Fällen, jedoch mit viel dramatischeren und schnelleren Folgen. Die genaue Ursache ist unbekannt; Risikofaktoren sind unter anderem Übergewicht, erbliche Veranlagung und Diabetes mellitus. Der Schwangerschaftshochdruck geht damit einher, dass die Nieren nicht normal arbeiten: sie scheiden wichtiges Körpereiweiß aus und behalten überschüssige Flüssigkeit zurück, die sich im Körpergewebe ansammelt. Gleichzeitig verdickt sich der Blutfluss, weshalb die Gefahr einer Thrombose besteht. Wird die Erkrankung nicht behandelt, so sinken Durchblutung des Mutterkuchens und Fruchtwassermenge. Das Kind bleibt in seiner Entwicklung zurück, schlimmstenfalls stirbt es. Auch für die Schwangere ist die Erkrankung gefährlich und kann unbehandelt durch einen Krampfanfall oder eine Hirnblutung tödlich enden. Durch die Vorsorgeuntersuchungen ist ein dramatischer Verlauf des Schwangerschaftshochdrucks jedoch sehr selten geworden. Sollten Sie jedoch zwischen den Untersuchungsterminen eine starke Gewichtszunahme mit ausgeprägten Wassereinlagerungen in Beinen und Händen und eine verminderte Urinausscheidung feststellen oder unter Kopfdruck, Kopfschmerzen, Ohrensausen oder Flimmern vor den Augen leiden, sollten Sie nicht zögern, umgehend Ihren Arzt aufzusuchen. Erforderlich ist bei Schwangerschaftshochdruck auf jeden Fall die Blutdrucksenkung. Eiweißreiche Ernährung und Bettruhe verbessern die Durchblutung des Mutterkuchens. Wirken diese Maßnahmen nicht, muss mit blutdrucksenkenden Mitteln, Magnesium und Infusionen zur Blutverflüssigung behandelt werden. Häufig ist eine vorzeitige Entbindung nötig. Danach bilden sich die Beschwerden meist in kurzer Zeit zurück.
Um noch beim Thema „Blut“ zu bleiben: Es gibt Unverträglichkeiten der Blutgruppen von Mutter und Kind. Die Schwangere selbst nimmt keine Symptome wahr, aber das Kind kann schwer geschädigt werden. Eine Unverträglichkeit der Blutgruppen A, B, AB und 0 ist möglich, aber sehr selten. Größer ist die Gefahr einer sogenannten Rhesus-Inkompatibilität. Wird eine Frau mit Rhesus-negativem Blut von einem Rhesus-positiven Mann schwanger, so wird das Kind Rhesus-positiv. Findet auch nur ein geringer Blutaustausch zwischen Mutter und Kind statt, dann bildet die Mutter Antikörper gegen das Rhesus-positive Blut des Kindes. In jeder folgenden Schwangerschaft reagiert ihr Körper mit Immunabwehr auf das Ungeborene. Ohne Behandlung kann das Kind schwer geschädigt werden: Wassereinlagerungen (Ödeme), Gelbsucht, hämolytische Anämie, geistige Behinderung, Bewegungsstörungen und Krampfleiden treten auf. Im schlimmsten Fall kommt es zum Tod des Kindes noch im Mutterleib. Bei schwerem Verlauf muss eine Bluttransfusion über die Nabelschnur erfolgen. Die Geburt muss meist frühzeitig eingeleitet werden.
Bei den Vorsorgeuntersuchungen wird auch auf Veränderungen des Mutterkuchens geachtet. Da erst länger andauernde Veränderungen spürbare Symptome auslösen, erkennt man es erst daran, dass der Bauch relativ flach bleibt und das Gewicht nur wenig ansteigt. Der Mutterkuchen hat ausschließlich in der Schwangerschaft eine Aufgabe; dass er rasch „altert“, ist daher normal. Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Rauchen lassen ihn allerdings frühzeitig „verkalken“. Dadurch wird die Blutversorgung des Kindes eingeschränkt. Verzögertes Wachstum und weniger Fruchtwasser sind die Langzeitfolgen. Die Durchblutung des Mutterkuchens verbessert sich im Liegen. Als erstes wird deshalb Bettruhe verordnet – zunächst zu Hause, später häufig in der Klinik. Eine vorzeitige Entbindung kann nötig sein.
Treten Ziehen und Krämpfe im Unterbauch – vor der 32. Schwangerschaftswoche häufiger als 6mal am Tag, nach der 32. Schwangerschaftswoche häufiger als 2mal in der Stunde -–auf, handelt es sich wahrscheinlich um vorzeitige Wehen. Solche vorzeitigen Wehen sind meist Folge körperlicher und psychischer Belastungen. Sind diese ausgestanden, vergehen die Wehen meist folgenlos von selbst. Manchmal allerdings können sie den Muttermundverschluss schwächen oder vorzeitig öffnen. Suchen Sie deshalb zur Abklärung sofort Ihren Frauenarzt auf. In vielen Fällen hilft „Langsamertreten“ schon aus, um die Wehen zu stoppen. Magnesiumtabletten entspannen die Muskulatur der Gebärmutter. Reicht dies nicht aus oder öffnet sich der Muttermund, dann sind wehenhemmende Medikamente sinnvoll. Sie haben allerdings Nebenwirkungen: Herzklopfen, Zittrigkeit und Angstgefühle. Öffnet sich der Muttermund vor der 36. Schwangerschaftswoche, so kann er mit einem Gummiring (Pessar) gehalten werden; nur selten muss er bis zur Geburt operativ verschlossen werden.
Eine Schwangerschaft bedeutet für jede Frau zusätzliche Belastungen. Viele verkennen dies und meinen, alles wie zuvor oder noch perfekter schaffen zu müssen. Setzen Sie sich nicht diesem Stress aus. Für berufstätige Schwangere sieht der Gesetzgeber Ruhezeiten vor – eine Hausfrau hat nicht weniger Anspruch auf Erholung und Entspannung.
Einen vorzeitigen Blasensprung erkennen Sie daran, dass tröpfchenweise oder im Schwall klare, milchige, hellrosa oder grünliche Flüssigkeit abgeht, die nicht angehalten werden kann. Ein Blasensprung vor der 36. Schwangerschaftswoche und ohne Wehen bedeutet Infektionsgefahr für Mutter und Kind. Ein kleiner Riss in der Fruchtblase verklebt bei strenger Bettruhe von selbst. Suchen Sie aber zur Abklärung unbedingt sofort Ihren Frauenarzt auf. Nach der 36. Schwangerschaftswoche wartet man zunächst ab, ob Wehen einsetzen. Ist dies nicht der Fall, so wird nach 12 bis 24 Stunden die Geburt eingeleitet. Vor der 36. Schwangerschaftswoche ist die Lunge des Kindes noch unreif; die Geburt wäre verfrüht. Unter Antibiotikabehandlung und mit wehenhemmenden Medikamenten wird versucht, die 36. Schwangerschaftswoche zu erreichen. Gelingt dies nicht, wird die Geburt eingeleitet.