Kinder-Selbstverteidigung: Hau den Lukas oder lass es bleiben?

Kinder können leicht Opfer von Gewalt werden. Das können Abzockerbanden auf dem Schulhof oder Jugendcliquen in der Nachbarschaft sein oder Ihr Kind wird abends auf dem Nachhauseweg vom Sportverein bedroht. Meistens ist dann niemand in der Nähe, der eingreifen kann. Also muss sich das Kind selbst helfen können.

Kampfsportarten gibt es viele. Bevor man sich allerdings für eine entscheidet, sollte man den Kindern eines klar machen: Ein selbstbewusstes Auftreten und vor allem Achtsamkeit sind die besten Versicherungen gegen Kloppereien. Machen Sie also Ihren Kindern deutlich, wie sie gefährliche Situationen ohne den Einsatz körperlicher Gewalt für sich entscheiden können. Denn nichts verunsichert potenzielle Täter mehr, als ein Opfer, das sich gar nicht wie ein Opfer verhält, sondern aktiv und forsch reagiert. Insbesondere bei den alltäglicheren Auseinandersetzungen zwischen Kindern und Jugendlichen ist das ganz wichtig. Wer sich mit Worten gut zur Wehr setzen kann, ist im Vorteil und kann die letzte Stufe der Konfrontation oftmals vermeiden.

Doch bisweilen ist das nicht mehr möglich, denn wer es wirklich auf eine Schlägerei anlegt, bekommt sie auch. Und dann sollte man sich wehren können! Judo beispielsweise ist eine verhältnismäßig „weiche“ Kampfsportart. Hier geht es vor allem darum, den Gegner matt zu setzen, ohne ihn zu verletzen. Deshalb ist Judo sehr für Kinder zu empfehlen. Schließlich ist Zoff unter Heranwachsenden nicht immer gleich todernst.
Wird ein Kind allerdings von erwachsenen Kriminellen angegangen, dann sieht das leider anders aus und dann ist mit Judo nicht unbedingt geholfen. Wer nur am Boden liegt, kann ja schnell wieder aufstehen und ist meistens auch noch wütender als vorher. Hier sind also andere Verteidigungstechniken gebraucht. Karate und Jiu Jitsu arbeiten im Gegensatz zu Judo mit Schlag- und Tritttechniken, können und wollen also Verletzungen auf der gegnerischen Seite hervorrufen. Denn manchmal lässt ein Angreifer nur ab, wenn er selbst ordentliche Blessuren davon getragen hat. Ähnlich verhält es sich mit Kung-Fu. Allerdings gibt es im Kung-Fu sehr viele verschiedene Stile und Schulen, die auch Kampftechniken andere Sportarten mit einbeziehen, so dass man die Qual der Wahl hat. Sehr für Kinder zu empfehlen ist die Kung-Fu-Art „Wing Tsun“. Denn Wing Tsun ist eine Selbstverteidigungstechnik, die einst von chinesischen Nonnen erfunden wurde, also ebenfalls von verhältnismäßig schwachen Kontrahenten. Deshalb sind die Kampftechniken des Wing Tsun besonders für Personen geeignet, die rein körperlich, sei es wegen ihrer Größe oder ihrer Kraft, dem Angreifer von vornherein unterlegen sind. Genau das trifft oft zu, wenn Kinder Opfer von Gewalt werden. Denn wer sucht sich schon einen ebenbürtigen Gegner aus, wenn er sich produzieren will?

Deshalb ist es aber auch wichtig, seinen Kindern klar zu machen, dass Kampfsport allein keine Wunderwaffe und kein Allheilmittel ist. Wenn es gegen Erwachsene geht, wird das Kind aufgrund seiner unterlegenen Physis wohl leider meist das Nachsehen haben. Die beste Selbstverteidigung ist und bleibt deshalb, dem Ärger nach Möglichkeit so gut es geht, aus dem Wege zu gehen.

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