Fernsehen für Schlaumeier
Wenn Eltern ein paar Regeln beachten, können Kinder vor dem Bildschirm durchaus etwas lernen – und dabei ihren Spaß haben.
Christian (2) kann ihn auswendig, den Text des Teletubbie-Songs. Er singt und hüpft mit den Figuren im Fernsehen. Seine Mutter kann es kaum glauben, wie viel Spaß die bunten Puppen ihrem Sohn bereiten. Doch Christians Verhalten ist völlig normal, denn die Teletubbies sind speziell auf die Bedürfnisse der jüngsten Fernsehzuschauer zugeschnitten – mit vielen Wiederholungen und sehr einfacher, kindlicher Sprache. Sie animieren die Kleinen, selbst aktiv zu werden: Kinder winken, singen und bewegen sich mit. Solange Eltern und Kinder kreativ und aktiv mit den Tubbies umgehen, ist die Sendung prinzipiell sehr gut, meint ein Experte.
Trotz solch kindgerechter Programme ist es wichtig, dass Fernsehen die Ausnahme von der Regel bleibt, und dass Eltern ihren Kindern in Sachen TV ein Vorbild sind. Kindern das Fernsehen ganz zu verbieten, ist heutzutage, wo die Flimmerkiste zum Alltag fast jeder Familie gehört, beinahe unmöglich und muss auch nicht sein. Fernsehen kann sogar positive Aspekte haben, wenn die Familie bewusst damit umgeht. Das bedeutet, dass die Kleinen nur geeignete Sendungen gucken, ihre Eindrücke verarbeiten können, zum Beispiel, indem sie über die TV-Helden reden oder Szenen nachspielen, und auch sonst viel Zeit zum Spielen und Toben ist.
Kinder leben und fühlen mit den Figuren im Fernsehen mit. Zwei- und Dreijährige können noch nicht unterscheiden zwischen Realität und Film. Diese Fähigkeit entwickeln Kinder frühestens mit etwa vier Jahren.
Für die jüngsten Zuschauer ist es deswegen besonders wichtig, dass die Sendungen Sicherheit vermitteln und am Ende eine eventuell aufgebaute Spannung wieder abgebaut wird. Das funktioniert, indem Szenen immer wiederkehren und Kinder so das Gefühl vermittelt bekommen, die Welt zu kennen. Und: Kinder brauchen unbedingt ein Happy-End!
„Mama, warum hat die Maus das gemacht?“, fragt Torben. Die Mama erklärt, der Sohn hört zu, die Sendung läuft weiter und die Fragen werden immer mehr. Um diese Verwirrung und vielleicht sogar Tränen zu vermeiden, ist der Videorekorder eine mögliche Lösung. Taucht eine Frage auf, können Eltern das Band einfach anhalten -–an jeder beliebigen Stelle und so oft sie wollen. Ein Video hat noch weitere Vorteile. Das Fernsehen kann geplant werden. Wenn das Sandmännchen kommt, Ihr Kind aber gerade in ein Spiel vertieft ist, müssen Sie es nicht unterbrechen und holen das Betthupferl einfach nach. Eltern haben außerdem die Möglichkeit, sich die Sendung in Ruhe anzusehen und dann zu entscheiden, ob sie geeignet ist. Wenn Ihr Kleines möchte, kann es auch immer wieder die gleiche Folge anschauen. Das entspricht dem kindlichen Bedürfnis nach Wiederholungen.
Allgemeine sollten Eltern bei Kindersendungen auf einige Dinge achten. Kinder mögen es lustig und – wenn sie schon etwas älter sind – auch gerne mit ein bisschen Spannung. Die Handlung darf aber nicht zu komplex sein, sonst können die jungen Zuschauer nicht mehr folgen. Gewalt, Sex, Gruseliges oder Polemisches gehört nicht ins Kinderprogramm. Kindersendungen brauchen Vielfalt, bei Meinungen, Charakteren und Macharten. Schnelle Bildfolgen und Zeitsprünge überfordern die kleinen Zuschauer allerdings. Die Geschichten sollten daher geradlinig erzählt sein und – für die Jüngsten – viele Wiederholungen bieten. Die Sprache muss der kindlichen Welt angemessen sein. Für kleine Zuschauer ist wichtig: einfache Sätze, langsam gesprochen. Kinder mögen es außerdem, von den Figuren direkt angesprochen zu werden.
Am besten arbeiten Sie als Eltern ein paar Fernseh-Regeln aus:
- Am besten sucht die Familie gemeinsam aus, welche Sendungen gesehen werden dürfen. Eltern sollten dabei die Vorlieben der Kinder akzeptieren, auch wenn sie selbst etwa die Teletubbies unerträglich finden.
- Idealerweise ist immer ein Elternteil dabei, wenn die Tochter oder der Sohn vor der Flimmerkiste sitzt. Aber bitte die Kinder beim Fernsehen nicht stören.
- Stellen Sie klare Regeln auf, wie lange Ihr Kind fernsehen darf. Vorschulkinder sollten nicht mehr als eine Sendung pro Tag anschauen, Sechs- bis Achtjährige dürfen auch mal eine Stunde vor dem Bildschirm sitzen.
- Auch wenn die Zeit abgelaufen ist, bitte nicht einfach abschalten! Die Auflösung der Geschichte sollten Sie Ihr Kleines unbedingt sehen lassen. Wichtig ist, dass Eltern sich vor der Sendung überlegen, ob sie für alle, die mitschauen, geeignet ist.
- Nach dem Fernsehen geht es raus zum Toben – das baut Spannung ab und ist außerdem gesund.
- Fernsehen ist kein Druckmittel und sollte nicht als Erziehungsmaßnahme, etwa zur Bestrafung oder Belohnung, eingesetzt werden.
- Reden über das Gesehene oder das Nachspielen von Szenen hilft Kindern, nach einer spannenden Fernsehsendung die Eindrücke zu verarbeiten, aufgekommene Fragen zu klären und mögliche Missverständnisse auszuräumen.
- Es kommt vor, dass eine Sendung Ihrem Kind Angst macht. Nehmen Sie diese Ängste ernst. Kinder reagieren unterschiedlich – manchen ist schon die Augsburger Puppenkiste zu viel.
- Wenn Ihr Kind etwas gesehen hat, was es nicht hätte sehen sollen: Sprechen Sie mit ihm darüber.
- Die beste Fernseherziehung ist das Vorbild der Eltern. Wenn auch die gezielt bestimmte Programme ansehen, Fernsehen nicht als Zeitvertreib sehen und nach einer Sendung ausschalten, lernen auch Kinder den richtigen Umgang mit dem Bildschirm.