Familienplanung

Das Bemühen, ungewollten Kindersegen zu verhindern, ist so alt wie die Menschheit. Wissenschaftler sind bei ihren Nachforschungen auf teilweise erstaunlich fundierte Kenntnisse über Möglichkeiten der Fruchtbarkeitskontrolle in früheren Epochen gestoßen. Viele alte Kulturen kannten Rezepte für Salben, Tinkturen und Kräuterpasten, die eine samenabtötende Wirkung hatten.

Immer mehr Menschen wollen heute frei entscheiden können, wann sie Kinder bekommen und wie viele oder ob sie überhaupt Nachwuchs möchten. Manche Paare scheuen die Veränderungen und die wirtschaftlichen Nachteile, die häufig mit Kindern verbunden sind, und sehen ihr berufliches Fortkommen als vorrangiges Lebensziel. Häufig stehen gerade Frauen vor der Entscheidung, Kinder zu bekommen und dafür ihre berufliche Laufbahn zu unterbrechen oder eine Doppel- und nicht selten Dreifachbelastung auf sich zu nehmen. Deshalb zögern manche Frauen lange, bevor sie schwanger werden wollen.

Verantwortungsvolle Elternschaft ist ein wichtiges Anliegen geworden. Auch und gerade weil sie ihre Aufgabe sehr ernst nehmen, wollen die meisten Eltern sich heute bewusst für Kinder entscheiden. Verantwortungsvoll mit der Fruchtbarkeit umzugehen, gehört für viele Menschen zur Lebensplanung.

Traditionell war Verhütung in erster Linie Aufgabe der Frauen. Diese Einstellung ist immer noch weit verbreitet und wird heute dadurch gestützt, dass die sicherste bekannte Verhütungsmethode die Pille ist. Seit der Ausbreitung von AIDS gehen jedoch auch Männer ganz allgemein noch bewusster mit Sexualität um. Kondome schützen nicht nur vor der Ansteckung, sie sind auch eine Form der Verhütung von männlicher Seite. Immer mehr junge Paare besprechen das Thema Verhütung jedoch gemeinsam und lassen sich auch gemeinsam ärztlich beraten. Wichtig ist, eine Verhütungsmethode zu wählen, die ausreichend Sicherheit in der momentanen Lebensphase des Paares bietet.

Maßstab für die Fehlerrate einer Methode ist der sogenannte „Pearl-Index“, der die Zahl der Schwangerschaften bei 100 Frauen nach einem Jahr Anwendungsdauer einer Methode angibt. An erster Stelle steht die hormonelle Empfängnisverhütung (die „Pille“), gefolgt von der Spirale und – gleichauf – der Kombination Kondom und samenabtötende Salbe. Die sogenannten natürlichen Verhütungsmethoden sind dagegen nur zu empfehlen, wenn die Frau einen absolut regelmäßigen Zyklus hat und das Paar überdies mit sexuellen Praktiken vertraut ist, die den Geschlechtsverkehr ausschließen.

Viele Paare, die verhüten wollten, aber gegen jede Form der Abtreibung waren, entschieden sich aus diesem Grund oft gegen die Spirale. Die Behauptung, die Spirale verhindere nur das Einnisten des bereits befruchteten Eis, stimmt zumindest für die heutigen Formen der Intrauterinpessare (IUP) nicht mehr. Die Spiralen geben samenabtötende Substanzen ab, so dass es erst gar nicht zur Befruchtung kommen kann. Die einzigen Methoden, die eine Einnistung verhindern, sind solche, die nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder nach einer Verhütungspanne zum Einsatz kommen: die „Pille danach“ und die nachträgliche Einpflanzung der Spirale. Eine hundertprozentige Sicherheit, die Schwangerschaft damit verhindern zu können, gibt es hierbei allerdings nicht.

Nur etwa zehn Stunden lang ist die reife Eizelle bereit für eine Befruchtung. Samenzellen können in den Eileitern bis zu vier Tagen befruchtungsfähig bleiben und auf die Eizelle warten. Insgesamt gibt es also fünf fruchtbare Tage im Zyklus einer Frau. Diese fruchtbaren Tage sind jedoch nicht bei allen Frauen mit Sicherheit zu bestimmen.

Je nachdem, in welcher körperlichen und seelischen Verfassung und in welcher Beziehung oder Lebensphase sich eine Frau oder ein Mann befinden, sollten sie das Für und Wider der einzelnen Verhütungsmethoden abwägen und die für sie passende wählen.

Jede zweite Frau nimmt in ihrer fruchtbaren Lebensphase die „Pille“. Damit ist die hormonelle Methode der Empfängnisverhütung die am häufigsten verwendete. Ein im Labor hergestelltes Hormon (synthetisches Progesteron) unterdrückt – meist in Kombination mit künstlich produziertem Östrogen (weibliches Sexualhormon) – den Eisprung, indem es dem Organismus eine Schwangerschaft vortäuscht.

Diese Präparate sind zwar sicher und bequem in der Anwendung, doch nicht alle Frauen vertragen die „Pille“, und nicht alle dürfen sie anwenden. Zum Beispiel bei Bluthochdruck, zu hohem Blutfettspiegel, Leberleiden und anderen Störungen sind hormonelle Verhütungsmethoden ungeeignet. Da sich das Thromboserisiko durch die Einnahme leicht erhöht, wird der Arzt genau abwägen, welche Patientinnen ein solches Präparat nehmen können. Die Fehlerquote (die Anzahl Schwangerschaften bei 100 Frauen nach einem Jahr) wird mit 0,1 bis 0,9 angegeben.

Die „Minipille“ enthält nur das Hormon Gestagen, das den Schleim im Gebärmutterhals für Samenzellen undurchlässig macht. Der Eisprung wird nicht verhindert. Die Minipille muss immer zur gleichen Uhrzeit eingenommen werden. Sie eignet sich vor allem für stillende Mütter und Diabetikerinnen. Es können Schmier- oder Zwischenblutungen auftreten. Die Fehlerquote liegt bei 0,4 bis 2,5.

Ebenso sicher wie die „Pille“ wirkt die Drei-Monats-Spritze, die ebenfalls den Eisprung unterdrückt und alle drei Monate vom Frauenarzt gegeben wird. Oft bleibt die Regelblutung ganz aus. Nach Absetzen der Spritze kann es bis zu einem Jahr dauern, bis es wieder zu einem Eisprung kommt. Deshalb ist die Drei-Monats-Spritze vor allem für Frauen geeignet, die sich ihren Kinderwunsch erst in einigen Jahren erfüllen oder keine Kinder mehr haben wollen.

Moderne „Spiralen“ (Intrauterinpessare) werden in die Gebärmutter eingeführt, um dort eine Empfängnis zu verhüten. Sie sehen aus wie ein T und werden alle drei bis fünf Jahre gewechselt. Mittlerweile gibt es Intrauterinpessare, die nicht – wie früher – mit einem Kupferfaden umwickelt, sondern mit einem Hormondepot aus Gestagenen (Oberbegriff für Gelbkörperhormone) beladen sind. In der Gebärmutter (Zervix) genügen winzige Mengen dieses Hormons, um den Zervix-Schleim für Spermien undurchlässig zu machen. Die Kupferionen beziehungsweise die Gestagene hindern so die Spermien an ihrem Vormarsch zur Eizelle. Die Spirale wird von einem Arzt eingesetzt. Frauen, die unter Entzündungen am Muttermund oder unter einer Allergie gegen Latex leiden, sollten diese Methode nicht anwenden. Es können unter der Anwendung einer Spirale stärkere, schmerzhaftere Regelblutungen auftreten. Die Fehlerquote liegt bei 1 bis 4.

Neben den bisher genannten gibt es noch die sogenannten „Barrieremethoden“. Diese verwehren den Samenzellen den Zugang zur Eizelle entweder auf mechanischem oder chemischem Weg. Sie werden nur bei Bedarf angewendet und eignen sich nicht, um dauerhaft zu verhüten. Zu ihnen gehören Kondom, Frauenkondom, Diaphragma, Portiokappe und Schwamm.

Kondome guter Qualität tragen das dlf-Prüfzeichen und ein Haltbarkeitsdatum, nach dessen Ablauf die sonst übliche Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist (die Fehlerquote bei richtiger Anwendung liegt bei 2 bis 5). Das Kondom muss so angelegt werden, dass das Reservoir für die Samenflüssigkeit groß genug und luftleer ist, damit das Kondom nicht platzt. Beim Zurückziehen des Gliedes aus der Scheide sollte das Kondom mit der Hand festgehalten werden, damit das Sperma nicht noch nachträglich in die Vagina gelangt. Bei richtiger Anwendung schützt das Kondom auch vor AIDS. Vorsicht ist geboten bei einer Latex-Allergie.

Noch wenig gebräuchlich sind die sogenannten „Frauenkondome“. Sie sind größer als die herkömmlichen Kondome und haben zwei Ringe, die über Muttermund und Scheideneingang gelegt werden. Das Diaphragma ist eine Halbkugel mit einem Spiralring im Randwulst, die die Frau selbst in die Scheide einführen kann. Es sollte immer in Kombination mit einem samenabtötenden Präparat benutzt werden und nach dem Geschlechtsverkehr noch für mindestens sechs Stunden an Ort und Stelle bleiben.

Dasselbe gilt für die Portiokappe, die kleiner und starrer als das Diaphragma ist. Sie besteht aus Latexgummi, deckt durch Saugwirkung den Muttermund fest ab und ist damit auch für Frauen geeignet, die unter Gebärmuttervorfall oder Scheidensenkung leiden. Diaphragmen und Portiokappen gibt es nicht frei zu kaufen, da ihre Größe individuell abgestimmt werden muss, wenn sie sicher sein sollen. Pro Familia und Frauengesundheitszentren passen die Größe an, erklären die richtige Anwendung und verkaufen sie auch. Beide Methoden haben eine Fehlerrate von 2 bis 5.

Den mit samenabtötender Substanz imprägnierten Kunstschwamm führt die Frau vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide ein und platziert ihn vor dem Muttermund. Weitere samenabtötende Substanzen werden als Spray, Schaum, Gel, Zäpfchen und in anderen Formen angeboten. Sie sollten immer so nahe wie möglich an den Muttermund gebracht werden. Allein, also ohne zusätzliche weitere Verhütungsmethode haben diese Substanzen eine Fehlerquote, die zwischen 9 und 50 liegt.

Um auf natürliche Art zu verhüten, untersucht die Frau täglich die Beschaffenheit des Zervix-Schleims, der eindeutige Hinweise auf die fruchtbaren Tage gibt. Um sicherer zu gehen, wenden viele Paare zusätzlich die Temperaturmethode an. Die sogenannte Basaltemperatur wird jeden Morgen gemessen. So kann ein Paar feststellen, wann der Eisprung stattgefunden hat, da die Temperatur nach dem Eisprung ansteigt. Diese nebenwirkungsfreie Methode eignet sich für Paare, die viel Geduld und Aufmerksamkeit investieren wollen. Ihnen steht heute ein dichtes Netz von speziellen Beratungsstellen zur Verfügung, die auch Kurse anbieten. Die meisten wenden sich an beide Partner, weil die natürliche Familienplanung (NFP) nur sicher und befriedigend sein kann, wenn das Paar die Entscheidung dafür gemeinsam trägt. Richtig eingesetzt hat diese Methode eine Fehlerrate von 1 bis 5.

Nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder nach einer Verhütungspanne – zum Beispiel, wenn das Kondom platzt – gibt es noch die Möglichkeit, ein Hormonpräparat in hoher Dosierung einzunehmen. Dies muss innerhalb von 48 Stunden nach dem Beischlaf geschehen. Manchmal kommt es zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und starken Wassereinlagerungen, die jedoch rasch wieder abklingen. Als „postkoidales“ Verhütungsmittel (nachträgliche Verhütung) wird gelegentlich auch ein Intrauterinpessar eingesetzt. Auch diese Maßnahme muss bald, spätestens jedoch am fünften Tag nach dem ungeschützten Verkehr durchgeführt werden.

Für Männer und Frauen, die sich vollkommen klar darüber sind, dass sie keine Kinder mehr bekommen wollen, kann eine Sterilisation das Verfahren der Wahl sein. Doch da auch mit den inzwischen hochverfeinerten chirurgischen Methoden die durchtrennten Ei- beziehungsweise Samenleiter eventuell nicht wiederhergestellt werden können, muss ein so endgültiger Schritt wohlüberlegt sein. Denn es kommt immer wieder vor, dass Menschen – durch veränderte Lebensumstände – sich doch noch einmal wünschen, Vater oder Mutter zu werden, nachdem sie sich haben sterilisieren lassen. Die Fehlerrate liegt bei 0 bis 0,1.

Ist es trotz aller Maßnahmen zur Verhütung oder nach ungeschütztem Verkehr zu einer Schwangerschaft gekommen, denken manche Frauen an einen Schwangerschaftsabbruch. Ein solcher ist aus medizinischer Sicht zwar kein riskanter Eingriff, er kann jedoch für manche Frauen zu einer großen seelischen Belastung werden. Daher ist es wichtig, dass die Frau oder das Paar sich eingehend beraten lässt. Ein Schwangerschaftsabbruch ist bis zur 12. Woche straffrei. Die Schwangere ist jedoch gesetzlich verpflichtet, mindestens drei Tage vor dem Eingriff eine anerkannte Beratungsstelle aufzusuchen. Der Eingriff selbst muss von einem Arzt vorgenommen werden. Die Krankenkasse bezahlt den Abbruch, wenn die Schwangerschaft die Gesundheit der Mutter schädigt (medizinische Indikation), eine Schädigung des Kindes vorliegt oder zu befürchten ist (embryopathische Indikation) oder die Frau vergewaltigt wurde (kriminologische Indikation). Bei sehr einkommensschwachen Frauen übernimmt die Sozialhilfe die Kosten.

Der Eingriff wird unter Vollnarkose, mitunter auch mit örtlicher Betäubung, durchgeführt und dauert etwa zehn Minuten. Der Muttermund beziehungsweise Gebärmutterhals wird gedehnt. Mit einer Saugkürette werden Schleimhaut und die darin eingenistete Eizelle abgesaugt. Bei medizinisch korrekter Durchführung des Schwangerschaftsabbruchs sind körperliche Komplikationen selten. Als größtes Risiko gilt eine Entzündung, die zur Unfruchtbarkeit führen kann. In Einzelfällen kann es zu einer Verletzung der Gebärmutterwand, zu schwer stillbaren Blutungen oder zu Thrombosen kommen. Umstritten ist bislang noch, ob eine Neigung zu Früh- oder Fehlgeburten entstehen kann.

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