Wie sicher sind Deutschlands Schulbusse?
Aktuelle Untersuchung durch den ADAC
ADAC-Tester haben kürzlich stichprobenartig Schulbusse in Deutschland unter die Lupe genommen. In fünf Bundesländern haben sie 18 Schulbusfahrten begleitet und zum Teil Erschreckendes erlebt. Technische Mängel der Fahrzeuge auf der einen Seite und überfüllte Busse und überhöhte Geschwindigkeiten auf Grund erheblichen Zeitdrucks auf der anderen weisen Schulbusse als potenzielle Gefahrenquelle für die Kinder aus.
Weshalb eigentlich dieser Test durch den ADAC und wie wurde der Test durchgeführt? Beschwerden von Eltern über die teilweise gefährlichen Zustände beim Transport ihrer Kinder zum und vom Schulunterricht füllen zahlreiche Aktenordner überall in Deutschland. Dabei ist es natürlich unübersehbar, dass ein solch umfangreiches logistisches Unterfangen, täglich, abgesehen von den Ferienzeiten, rund drei Millionen Schüler, die auf einen Schulbus angewiesen sind, zu transportieren, große Probleme, auch finanzieller Art für die Kostenträger, verursacht. Doch die Sicherheit der Kinder muss trotzdem oberstes Gebot sein. Wie es darum bestellt ist, wollte der ADAC herausfinden.
Den technischen Test führten unabhängige Kraftomnibus-Sachverständige im Auftrag des ADAC durch. Sie begleiteten die Polizei bei deren Kontrollen in sieben Bundesländern an insgesamt 34 Kontrollstellen und hatten so Gelegenheit, 141 Schulbusse unter die Lupe zu nehmen, von denen gut 75 % dem allgemeinen Linienbusverkehr angehörten, knapp 6 % im Sonderlinenverkehr, also nur für Schüler, unterwegs waren und fast 18 % dem freigestellten Schülerverkehr dienten. Es wurde der technische Zustand der Fahrzeuge, die Ausstattung entsprechend dem Anforderungskatalog für Schulbusse, die allgemeine Sicherheitsausstattung und die personelle Ausstattung im Hinblick auf Begleitpersonen oder spezielle Schulungen der Fahrer für den Schülertransport begutachtet.
Um das Verhalten der Fahrer während der Fahrt und der Kinder an den Haltestellen, beim Ein- und Aussteigen und im Bus zu beobachten, sich einen Eindruck von der Platzsituation zu verschaffen und eventuell vorkommende Verkehrsverstöße zu registrieren, begleiteten ADAC-Tester 18 Schulbusfahrten in fünf Bundesländern im ländlichen Raum bei längeren Überlandfahrten. Ergänzend führten die Tester Gespräche mit den Schülern und den Busfahrern, um deren Einschätzung der Lage und Verbesserungswünsche aufzunehmen.
Ein Praxis-Test schließlich sollte zeigen, ob tatsächlich die zugelassene Fahrgastanzahl realistisch bemessen war, also berücksichtigte, ob diese Anzahl Schüler mit ihren notwendigen Schul-Utensilien sicher im Schulbus untergebracht werden konnten und in welcher Zeit das zu bewältigen war. Hierfür diente ein Test exemplarisch für die Qualität der zugelassenen Fahrgastzahlen.
Die technische Sicherheit der Schulbusse
Die häufig geäußerte Meinung, dass nur alte Busse als Schulbusse eingesetzt werden, hat sich zwar nicht bestätigt, aber von den 141 auf technische Mängel überprüften Fahrzeugen wurden bei sieben Bussen Defekte an der Lenkung, an der Karosserie oder am Bremssystem oder stark abgefahrene, zum Teil sogar beschädigte Reifen festgestellt. Drei Busse wurden sogar umgehend wegen mangelnder Betriebssicherheit aus dem Verkehr gezogen.
Die Situation im Schulbus
Hautnah erleben mussten die ADAC-Tester, dass die Platzsituation in den meisten Schulbussen unhaltbar ist. Bei der Ermittlung der zulässigen Fahrgastzahl wird übersehen, dass Schüler mit ihren Schultaschen und Turnbeuteln Platz finden müssen. Das führt dazu, dass bereits bei 70 bis 80 Prozent der ermittelten Kapazität die Obergrenze der Zumutbarkeit und Sicherheit erreicht ist. Selbst dann finden zahlreiche Kinder keinen Sitzplatz, was die zulässige Höchstgeschwindigkeit der Busse auf 60 km/h beschränken würde. Der Zeitdruck, unter dem die Fahrer größtenteils stehen, bedingt jedoch, dass diese Höchstgeschwindigkeit nicht selten erheblich überschritten wird, und damit wird eine Fahrt mit dem Schulbus zu einem Sicherheitsrisiko.
Die oft chaotischen Zustände an den Haltestellen und beim Ein- und Aussteigen tragen zu einer Erhöhung der Gefahren bei.
Im Einzelnen mussten die Tester feststellen, dass in 90 Prozent der überprüften Schulbusse nicht genügend Sitzplätze vorhanden waren, sondern es vorgesehen war, dass eine größere Anzahl an Kindern Stehplätze einnehmen mussten. Zum Teil standen die Kinder aus Platzmangel sogar im Ein- und Ausstiegsbereich, was unzulässig ist. Zudem waren zu wenig und nicht in kindgerechter Höhe angebrachte Haltegriffe vorhanden.
Die Sicherheitsausstattung der Schulbusse
Es gibt zwar für den sogenannten „freigestellten Schulbusverkehr“ Vorschriften zur Ausstattung mit zusätzlichen Außenspiegeln, Warnleuchten und Schulbus-Schildern, nur werden in den meisten Fällen zur Beförderung der Schulkinder Linienbusse eingesetzt, für die diese Vorschriften nicht gelten, auch wenn sie vorwiegend zum Schülertransport verwendet werden. So gab das Fehlen eines Außenspiegels auf der rechten Seite bei zahlreichen Bussen und die noch seltener vorhandenen Schulbus-Schilder, die andere Verkehrsteilnehmer darauf aufmerksam machen würden, dass hier besondere Vorsicht geboten ist, Anlass für Kritik bei den Testern. Zu kritisieren war außerdem, dass in zahlreichen Bussen keine Nothämmer zum Einschlagen der Scheiben bei Gefahr vorhanden waren, vielfach kein funktionsfähiger Feuerlöscher an Bord war und die Sicherheitsvorkehrungen an den Türen wie Nothähne zum Öffnen per Hand und der Einklemmschutz sehr zu wünschen übrig ließen. Auch unvollständige und nicht griffbereite Verbandskästen, nicht fest genug verschraubte oder scharfkantige Handgriffe und in den Gängen sowie den Gepäcknetzen herumliegende Putzutensilien und ähnliche Gegenstände mussten die Tester beobachten.
Waren auch einige der Schulbusse – bei Weitem nicht alle – mit Sicherheitsgurten an den Sitzen ausgestattet, so waren mehrere Busfahrer unangeschnallt ein schlechtes Vorbild für die Schüler, von denen noch weniger die Gurte benutzten. Nur in sechs Schulbussen sorgte eine Begleitperson für Ordnung.
Zeitdruck und Fahrverhalten der Busfahrer
Die Verzögerungen beim Ein- und Aussteigen, die sich zwangsläufig ergeben, wenn zu viele Kinder sich in einen Schulbus hineinzwängen müssen, viele Kinder nicht nach hinten durchgehen oder Schultaschen als Hindernisse im Weg liegen, führen neben dem unzumutbaren Gedrängel auch zu einem erhöhten Zeitdruck, unter den die Fahrer geraten, weil der Fahrplan meist recht knapp kalkuliert ist. Das wiederum führt dazu, dass Geschwindigkeitsübertretungen an der Tagesordnung sind, und die ohnehin schon wegen der Überfüllung an gefährlichen Plätzen im Bus stehenden Kinder besonders in Gefahr geraten.
Mit dem Titel „Rasender Schulbus-Fahrer“ erregte eine Meldung in den Medien vor einiger Zeit die Gemüter. Obwohl ein Schulbus mit stehenden Fahrgästen nur 60 km/h fahren darf, erlebten die ADAC-Tester Geschwindigkeiten bis zu 100 km/h.
Was muss verbessert werden?
Der Test hat eindeutig ergeben, dass zahlreiche Verbesserungen in Bezug auf die Schulbusse in Deutschland von Nöten sind. Es müssen mehr Busse eingesetzt werden mit besserer Sicherheitsausstattung, geschulte Begleitpersonen in den Bussen sind erforderlich und die Kinder müssen besser trainiert werden, von den Eltern und in den Schulen, damit sie durch ihr Verhalten zu ihrer eigenen Sicherheit und der Sicherheit Anderer beitragen. Ein solches Training sollte auch das Verhalten an den Haltestellen und auf der Straße einbeziehen. Ein weiteres Problem, das in häufig zu beobachtender Aggressivität der Kinder untereinander begründet liegt, könnte durch diese Verbesserungen sicherlich schon etwas entschärft werden. Doch positive Beispiele zeigen, dass auch ein Busfahrer, der die Ruhe bewahrt, freundlich auf die Kinder zugeht und einfach ausstrahlt , dass er Kinder mag und Freude an seinem Job hat, eine entspannte Atmosphäre im Schulbus erzeugen kann. Wo trotz aller Verbesserungen unverbesserliche Störenfriede eine Gefahr für andere Kinder darstellen, müssten auch Sanktionen möglich sein.
Für den ADAC ergeben sich aus den Testergebnissen eine Reihe konkreter Forderungen unter der Überschrift „Sicherheit der Kinder hat absoluten Vorrang“, um die genannten Mängel auszumerzen. Dass auch die Haltestellen der Schulbusse einige Verbesserungen nötig haben, wurde vom ADAC mit einer „Checkliste Schulbushaltestelle“ quittiert.
Doch auch Eltern und Lehrer sind gefragt, ihr eigenes Verhalten und das ihrer Kinder bzw. Schüler auf den Prüfstand zu stellen, die Kinder besser auf die Situationen vorzubereiten und zu versuchen, Konfliktpotenzial abzubauen. Auch die freiwillige Mitarbeit als Begleitperson im Schulbus kann viel Gutes bewirken.